Meet the Experts – Interview mit Stephanie Smith – März 2017

Mit der Ankündigung und der Markteinführung der AMD Ryzen Prozessoren waren die vergangenen Monate für AMD ereignisreich. Stephanie Smith von AMD nahm sich Zeit für ein Gespräch über Ryzen und über die einzigartigen Erfahrungen ihres Teams während der Entwicklung und der Zeit bis zur Markteinführung.​


Erzählen Sie uns ein wenig von sich selbst: Was ist Ihr Hintergrund, was ist Ihre Position bei AMD und wie lange arbeiten Sie schon hier?

Ich bin Director of Client Platform Program Management und arbeite seit 14 Jahren bei AMD. 

Ich habe zuvor direkt mit Kunden (Dell, IBM) zusammengearbeitet, sie bei der Entwicklung ihrer AMD Opteron™ Produkte unterstützt und an mehreren Generationen von AMD CPUs und APUs gearbeitet. 

Wie waren Sie an der Entwicklung von Ryzen beteiligt?

Als Client System Lead bin ich dafür verantwortlich, unsere Kunden für die Ryzen-Lösung auf der AM4-Plattform zu gewinnen und sie auf den Einsatz der Lösung vorzubereiten.  Ich leite ein Team, das die Lösung entwickelt, das Silizium in der Plattform validiert und unsere Kunden und Partner dabei unterstützt, die Lösung erfolgreich einzusetzen. 

Können Sie uns etwas zur Ryzen-Vision sagen?

Ryzen ist für unsere Entwicklungsteams der Schlüsselbegriff für die Zukunft unseres CPU-Geschäfts.  Die Vision und Entwicklung des "Zen"-Kerns und der neuen Architektur waren ein Ansporn für die Teams, dieses Produkt auf den Markt zu bringen, da sie von dem Zugewinn an Leistung und Kapazität überzeugt waren. 

Welche Faktoren haben aus Ihrer Sicht wesentlich zum Erfolg von Ryzen beigetragen?

Wir haben von Anfang an kundenorientiert gehandelt.  

Ich habe noch nie soviel Begeisterung, Engagement und Loyalität für ein Programm wie Ryzen erlebt - und das will angesichts der Engineering-Kultur hier bei AMD einiges heißen. 

Sie haben Kundenorientierung als einen wesentlichen Erfolgsfaktor für Ryzen erwähnt. Was genau meinen Sie damit?

Wir haben von Programmbeginn an jeden Aspekt der Kundenorientierung in unseren Entwicklungsprozess eingeplant und alle Anforderungen der Kunden berücksichtigt.  Als Client System Lead vertrete ich eine Sichtweise, die sich auf Plattformlösungen konzentriert und darauf, die gesamte Systemlösung voranzutreiben, nicht nur das Silizium.  Dazu gehört auch die Überlegung, wie unsere CPU- und Infrastrukturvoraussetzungen die Anforderungen an das Hardwaredesign, die damit verbundenen Kosten und die Flexibilität bei Komponentenzulieferern des Marktes bestimmen.  Die Validierung unseres Siliziums und unserer Lösung umfasst umfangreiche Tests der eng mit der Hardwareimplementierung verknüpften Funktionsbereiche.  Wir verfügen über eine umfassende Testsuite, die zahlreiche Aspekte der Anwendungserfahrung unserer Endkunden mit der gesamten Lösung, einschließlich Software (BIOS, Firmware, Treiber), abdeckt. 

Wir haben unsere Technologiepartner frühzeitig und kontinuierlich eingebunden und in enger Zusammenarbeit mit ihnen sichergestellt, dass sie sich auf einem parallel verlaufenden Weg befanden, der sie bis zur Markteinführung zu uns führen würde. 

​Wie hat die Kundenorientierung die Entwicklung von Ryzen beeinflusst? Gab es Veranstaltungen, Firmeninitiativens…?

Globale Ressourcen:

Bei unserem ersten intern produzierten Silizium brachten wir über 100 Lead-Entwickler in unserem Labor gemeinsam unter, um unser Bring-up zu beschleunigen.  Die Aufregung und Spannung im Labor war teilweise so groß, dass sich Entwickler weigerten, das Labor zu verlassen und wir sie regelrecht zwingen mussten, sich etwas auszuruhen.  Aber nach nur wenigen Stunden Schlaf tauchten sie wieder im Labor auf.  Nach dem Bring-up wurden die Aktivitäten auf unsere globalen Labore ausgeweitet.   Die Unterstützung durch die Unternehmensleitung war hervorragend – selbst Lisa Su machte Rundgänge durch das Labor, um mit den Entwicklern zu sprechen und sie kontinuierlich zu unterstützen.

Taipei-Ressourcen:   

Wir haben Entwickler über Wochen in Übersee eingesetzt, um den Entwicklungsprozess und die Zusammenarbeit mit Kunden zu unterstützen.

Übertaktungs-Workshop

Die Übertaktung in modernen PCs erfordert die Zusammenarbeit von Mainboard (MB)- und Systementwicklern sowie CPU-Lieferanten. Die CPU liefert lediglich die Basisfunktionen, die das Übertakten ermöglichen.  Um zusätzliche Leistungsgewinne zu erzielen, müssen die MB- und Systementwickler definieren und festlegen, wie sich die CPU so ausführen lässt, dass die einzigartigen Fähigkeiten und der Headroom im System genutzt werden können. 

Wir haben uns in den frühen Testphasen der CPU und Systementwicklung mit den Mainboard-Entwicklern zusammengesetzt, um die grundlegenden Fähigkeiten der CPU sowie Tools zur Leistungsoptimierung vorzustellen - und etwas später haben wir uns erneut getroffen, um die tatsächlichen Übertaktungsfähigkeiten, die sie in ihre Systemplatinen implementiert hatten, zu testen und zu verbessern.  Jetzt fehlte eigentlich nur noch der flüssige Stickstoff, um zu zeigen, wie schnell Ryzen wirklich arbeiten kann!!

Wir haben in zahlreichen Sitzungen mit unseren ODM-Partnern die BIOS-Integration gemeinsam erarbeitet. Uns ging es vor allem darum, alles zu einem Ganzen zusammenzufügen!! Nachdem alle Funktionen erarbeitet und die Validierungstests abgeschlossen waren, mussten die letzten Funktionsverbesserungen und Optimierungen mit den ODM/IBV-Anpassungen und Übertaktungsfähigkeiten "zusammengeführt" werden. Als beste Methode zur effizienten und schnellen Umsetzung dieses Vorhabens erwiesen sich "Workshops", die sich auf die Integration und Prüfung der gemeinsam entwickelten Funktionen-Supersets für jedes ODM MB konzentrierten. In diesen Workshops nahmen das BIOS der Produktions-MBs und andere SW-Stack-Komponenten Gestalt an.

Die auf maximale Zusammenarbeit ausgelegten Übertaktungs- und BIOS-Integrations-Workshops beschleunigten die Identifizierung und Beseitigung von Problemen im Umfeld der Produktionstaktung und bereiteten eine große Zahl der Plattformen für Demos im Rahmen der CES und des Produktionsstarts vor.

So konnten bei der CES 2017 Mainboards in Aktion gezeigt und der Marktstart mit mehr als 82 verfügbaren Mainboards eingeläutet werden.

Was war das Ergebnis des Übertaktungs-Workshops und der Kundenorientierung?

Der Tech Day-Rekord war CB r15 nT bei 2449 (alter Rekord: 2410) für eine 8-Core-CPU. Für diesen Rekord wurde die CPU bei einer Temperatur von -200 C auf allen 8 Cores mit 5,2 GHz betrieben.

Unser Publikum hatte noch keine Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen des Entwicklerteams für Ryzen zu werfen. Wie ist das Team vorgegangen, um ein derartig ambitioniertes Vorhaben zu meistern und gleichzeitig den Einsatz dieser Technologie für das gesamte Kundenspektrum zu ermöglichen?

Die Entwicklung und Markteinführung eines Produkts dieser Größenordnung durch die globalen Entwicklungsteams erforderte einen äußerst detaillierten Ausführungsplan, eine strukturierte Vorgehensweise für die Zusammenarbeit im Team und operative Unterstützung, um so alle Barrieren aus dem Weg zu räumen, die unserem Fortschritt im Wege stehen.   

Und die Moral im Team? Was waren die Schlüsselfaktoren, die das Team über die Ziellinie brachten?

Die Entwickler arbeiteten rund um die Uhr.  Nach dem erfolgreichen Abschluss unseres ursprünglichen Bring-ups wurden die Teile und Hardware breit gestreut an unsere globalen Entwicklungsteams verteilt.  Wir verfügen über verteilte Teams und standortferne Tools wie Diagnose- und Debugging-Fähigkeiten, die es uns ermöglichen, Entwicklungsarbeiten rund um die Uhr voranzutreiben.

Ryzen hatte erhebliche Auswirkungen auf den Markt, aber was ist mit Ihnen und Ihrem Team? - wie hat sich Ryzen auf Sie ausgewirkt?  Und wie hat es Ihr Team beeinflusst?

Dieses Programm und meine Rolle darin gehören zu den größten Herausforderungen meiner bisherigen Karriere.  Ich bin unglaublich stolz darauf, was dieses Entwicklungsteam geleistet hat.  Ich trage meine Ryzen-Jacke mit großer Begeisterung – sie zeigt, wie stolz ich auf das unglaublich talentierte Team hier bei AMD bin und auf das, was wir in Bezug auf Ryzen erreicht haben.    Unser Erfolg ist die treibende Kraft für künftige Produktverbesserungen und die Ausweitung unserer Marktanteile.  Es ist toll, gerade jetzt zu AMD zu gehören!

Welche Auswirkungen der Ryzen-Architektur auf die Branche und auf AMD selbst sehen Sie?

Die Ryzen-Architektur legt ein Fundament, auf dem aufgebaut werden kann.  Wir arbeiten aktiv daran, sowohl den "Naples"-Serverprozessor als auch im späteren Jahresverlauf Mobile Ryzen für den Markt freizugeben.  Und obwohl das Entwicklungsteam sehr stolz auf unseren Ryzen-Prozessor für den Desktop ist, wissen wir, dass wir uns erst am Anfang befinden.  Unsere Produktstarts im weiteren Jahresverlauf bergen enormes Potenzial.  

 

Vielen Dank Frau Smith für diesen Blick hinter die Kulissen der Entwicklung von Ryzen. AMD freut sich auf die Herausforderung, den Markt weiter mit zukunftsweisenden Technologien zu beliefern und es Partnern zu ermöglichen, Kunden unglaublich leistungsstarke Komponenten anzubieten.

Hier klicken, um das ganze Interview abzuspielen.​​

Mehr Dazu​​​
FUSSNOTEN: